Raum und Gewicht einer Aussage steuern

↗ 04-005-1003-R.VL01 Vorlesung „Translatologie B-Sprache“ und 04-005-1034-R.VL01 Vorlesung „Linguistik des Russischen II“, jeweils 2. Semester, Mittwoch um 15:15, H001

Wir können auch durch nichtlexikalische Mittel die Aufmerksamkeit des Lesers lenken und so die Rezeption einer Botschaft beeinflussen.

  • Prominente Aussagen platzieren wir bevorzugt am Anfang oder am Ende eines Satzes, weniger Wichtiges in der Mitte.
  • Durch Rhemafrontierung können wir eine Aussage in den Vordergrund rücken  Ausschlaggebend war allein, dass …  Einen Teufel werd' ich! ↗ Chiasmus
  • Gleiches gilt für rhetorisch kanonisierte Störungen ↗ Synästhesie ↗ Oxymoron
  • Ein Kompositum wirkt „kanonisierter“, begrifflicher als ein Adjektivgefüge und gibt der Aussage mehr Autorität (Fachsprachen neigen zur Komposition!)  glänzende Leistung → Glanzleistung. Achtung aber – Lexikalisierung durch Komposition! Ein Braunbär kann grau sein und Nutzarbeit ziemlich unnützlich. Ein Zusatzabkommen ist etwas anderes als ein zusätzliches Abkommen. Sind Sie sich nicht sicher, so bleiben Sie dann doch besser bei einer Adjektivverbindung  запретительный акт – Verbotsgesetz → gesetzliches Verbot.

Strategien prosodischer Erweiterung

  • Synonym mit einer größeren Silbenzahl (oft das Mittel der Wahl bei Einleitungs- und Schlusssätzen)  Beisein → Gegenwart
  • Vorreiter einführen  die Ungleichbehandlung von Mann und Frau → das Problem der Ungleichbehandlung von Mann und Frau (prädikativer Vorreiter)  als Eiswürfel → in Form eines Eiswürfels (präpositionaler Vorreiter)
  • Hendiadyoin (Hendiadys) einführen  bejubelt und gefeiert
  • antonymische Übersetzung  Он явился как раз вовремя. – Er kam nicht ungelegen.
  • Funktionsverbgefüge verbreitert die Aussage und gibt ihr mehr Gewicht (dank Nominalisierung des Verbs / Adjektivs)  entscheiden → Entscheidung treffen  vergessen werden → der Vergessenheit anheim fallen  wurde weniger schrecklich → verlor an Schrecken.

Strategien prosodischer Ökonomie

  • Verzicht auf teilbare Verben, wenn die Satzklammer zu groß wird  nahm [VIEL TEXT] an → akzeptierte.
  • Reduzierung der Silbenzahl, wenn der Satz zu lang wird  Kontaktperson → Kontaktmann.
  • Nominalisierung (Verzicht auf Relativsatz)

↗ Adjektivkomposita
↗ Alternativen zum Relativsatz im Deutschen
↗ Antonymische Übersetzung
↗ Aspektbedeutung in einem Lexem realisieren
↗ Dislokation
↗ dokumentarisch – instrumentell
↗ Ellipsen
↗ Hendiadys (Hendiadyoin, Zwillingsformel) und Hendiatris (Trikolon, Drillingsformel)
↗ Leerstelle außerhalb des Satzverbands schaffen
↗ Metapher
↗ Orthotypographie, Layout, Ergonomie
↗ Prozess- vs. Zustandsorientierung
↗ Realien im B-Gebiet Russisch
↗ Satzbestandteile auslagern
↗ Tropen: Metonymie, Synekdoche, pars pro toto, totum pro parte
↗ Übersetzungsmaximen
↗ Übersetzungsparadigmen
↗ Vorreiter
↗ Wiedergabe von Adverbialpartizipien (AP) in der Übersetzungsrichtung Deutsch-Russisch
↗ Wiedergabe von Anführungszeichen in der Übersetzungsrichtung Russisch-Deutsch
↗ Wiedergabe von Gedankenstrichen in der Übersetzungsrichtung Russisch-Deutsch
↗ Wiedergabe von Genitivverbindungen in der Übersetzungsrichtung Russisch-Deutsch

Quellen Translatologie B-Sprache

Bendixen, Bernd et al. (2017): Russisch aktuell / erklärt – geübt – beherrscht. Multimediale Lernsoftware. Wiesbaden: Harrassowitz

EMT-Expertengruppe (2009): Kompetenzprofil von Translatoren, Experten für die mehrsprachige und multimediale Kommunikation

Holz-Mänttäri, Justa (1984): Translatorisches Handeln: Theorie und Methode. Helsinki: Suomalainen Tiedeakatemia

Hönig, Hans G. (1992): „Von der erzwungenen Selbstentfremdung des Übersetzers – Ein offener Brief an Justa Holz-Mänttäri“. TEXTconTEXT, 7-1992. 1-14

Koller, Werner (2011): Einführung in die Übersetzungswissenschaft. Bern: A. Francke

Krings, Hans P. (2016): Fremdsprachenlernen mit System : das große Handbuch der besten Strategien für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Hamburg: Buske

Krings, Hans P. (1988): Blick in die 'Black Box': Eine Fallstudie zum Übersetzungsprozess bei Berufsübersetzern. Arntz, R. (Hrsg.)(1988): Textlinguistik und Fachsprache. Hildesheim: Georg Olms. 393-411

Krings, Hans P. (1986): Was in den Köpfen von Übersetzern vorgeht: eine empirische Untersuchung zur Struktur des Übersetzungsprozesses an fortgeschrittenen Französischlernern. Dissertation. Tübingen: Narr

Prunc, Erich (2005): „Translationsethik“. Sandrini, Peter (Hrsg.)(2005): Fluctuat nec mergitur. Translation und Gesellschaft. Festschrift für Annemarie Schmid zum 75. Geburtstag. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Wien u. a.: Lang. 165-194

Reineke, Detlef (2005): „Softwarelokalisierungswerkzeuge“. Reineke, Detlef / Schmitz, Klaus-Dirk (Hrsg.)(2005): Einführung in die Softwarelokalisierung. Tübingen: Gunter Narr Verlag Tübingen. 73-87

Schippan, Thea (2002): Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache. Tübingen: Max Niemeyer

Schmidt, Heide (1973): Textinhalt, Stil und Übersetzung. Dissertation. Leipzig: Karl-Marx-Universität Leipzig

Латышев, Л. К. (2000): Технология перевода. Учебное пособие по подготовке переводчиков. Москва: НВИ-Тезаурус

Павлова А. В., Светозарова Н. Д. (2012): Трудности и возможности русско-немецкого и немецко-русского перевода. Sankt Petersburg: Anthology

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