Dr. Alexander Behrens (IALT) – Unterrichtsserver


04-005-1003-R.VL01 Vorlesung "Translatologie B-Sprache" 2. Semester

Zum Terminus "Übersetzen"

Die Ausdrücke übersetzen und Übersetzer werden nicht nur von Translatoren beansprucht, sondern auch von Softwareingenieuren. Übersetzt wird hier freilich nicht zwischen den Entwicklern, sondern zwischen dem Entwickler und der Maschine; wir sagen: zwischen höherer Programmiersprache und Maschinensprache.

Worum geht es?

Fangen wir am Maschinenende an: unser Prozessor versteht nur Ziffern. Weil solche Ziffern nur zweierlei Gestalt annehmen können, namentlich 0 oder 1, nennen wir sie binär, engl. binary digits, abgekürzt Bits. Einen aus acht Bits bestehenden Ausdruck nennen wir Byte. Ein Byte wäre also etwa (0)10000011 – hier der binäre ASCII-Code für den Buchstaben A. Maschinencode besteht aus lauter binären Ziffern.

Für das andere Ende wiederum, das humane, für den Entwickler, wäre es freilich denkbar unkomfortabel, Armaden von Zahlenblöcken einzugeben. Der Entwickler denkt und arbeitet besser mnemonisch, wir sagen: in einer höheren Programmiersprache. Jeder von uns kennt solche natürlichsprachlichen Anweisungen wie if, else, while, each, require, include, die, explode usw. Mit diesen Wörtern kann ein Prozessor nichts anfangen.

Wir sehen, zwischen Mensch und Maschine besteht eine Kluft, die irgendwie überbrückt werden muss. Genau diese (irgendwie ja auch sprachmittlerische) Aufgabe übernimmt ein spezielles Programm, das wir Übersetzer nennen oder englisch Compiler.

In der Informationstechnik bedeutet übersetzen das Überführen von Programmcode in eine maschinennähere Form.

Zum Terminus "Interpretation"

Auch in der englischen Sprache bekommen übrigens Translatoren terminologischen Besuch aus der Informationstechnik. In Letzterer steht das Wort interpretation für das Parsen und Ausführen von Code zur Laufzeit (bei Skriptsprachen). Im Deutschen sprechen wir hier von Interpretation.

Zum Terminus "Formatierung"

Sprachmittler kennen das Wort Formatierung in der typografischen Bedeutung aus der Arbeit mit WYSIWYG-Programmen durch Eigenschaften wie fett, kursiv oder Blocksatz. In der Informatik wird unter Formatierung die Festlegung einer Ausgabesyntax (etwa eines Datums2) verstanden. Zuweilen wird das Wort Formatierung in der Bedeutung Zuweisung eines Datentyps verwendet. In diesem Wortgebrauch ändert sich durch Formatierung die Semantik eines Zeichens. So können wir "1030" als String, als Ganzzahl oder als Datum formatieren. Das Ganze lässt sich vielleicht am einfachsten an einer Operation wie "1030 plus 2" erklären. Eine solche Operation würde je nach Datentyp zu dem Ergebnis 10302, dem Ergebnis 1032 oder dem Ergebnis 1101 führen.

Zum Terminus "Wort"

In der Informationstechnik steht Wort für zwei zusammenhängende Bytes (bei 16-Bit-Kodierung, binäre Darstellung). Ein Wort kodiert im 16-Bit-Datenstrom ein Zeichen (etwa einen Buchstaben unseres Alphabets). Der Plural von Wort in dieser Bedeutung ist Worte.


1Die erste Null steht in Klammern, weil sie nicht genutzt wird – in ASCII stehen nur sieben Nutzbits zur Verfügung.
2Ein Datum kann beispielsweise in der Syntax "28.08.2018" oder in der Syntax "8/28, 2018" formatiert werden.