04-MKD-2003-E.SE01 Seminar „Terminographie“ 2. Semester

Terminologieverwaltungssysteme (TVS)

In diesem Kurs:

  • Daten keinen proprietären Lösungen anvertrauen – Datenbasis im Textformat

Schichtenmodell

Trennung von Daten, Logik und Präsentation

  1. Daten
  2. Logik
  3. Präsentation

Diese Trennung für …

  • Anwendungsunabhängigkeit von Daten
  • mediale Vielfalt
  • Bildschirm / Print
  • Redaktions-Umgebung / mobiles Endgerät
  • Unabhängigkeit Ihrer Daten
  • Untergang von TVS
  • Bezahlmodell ändert sich – Selbstschutz vor Versklavung: Lock-in-Effekt
  • Plattformunabhängigkeit, Hardwareunabhängigkeit
  • unterschiedliche Betriebssysteme
  • unterschiedliche Infrastrukturen: client-basiert / serverbasiert (SaaS)
  • Peronalisierbarkeit
  • Layout, Wahl der anzuzeigenden Datenkategorien
  • (Lokalisierbarkeit)

TVS sind zunehmend serverbasiert

  • Webinterface oder mit Client (MultiTerm Server, QTerm)
  • kollaboratives Arbeiten
  • Mobilität und Geräteunabhängigkeit
  • SaaS: Abhängigmachung von Kunden: immer über TBX sichern

Datenbankmodellierung

  • wählen lassen – welche Anlage ist terminographisch?:
benennung_enbenennung_degenuswortartfachgebietsnummerfachgebiet
screwSchraube; schraubenFemininumSubstantiv / Verb04.04.01.00.00.00, 04.16.00.00.00.00Metallverarbeitung, Fertigungstechnik
boltSchraubeFemininumSubstantiv04.04.01.00.00.00Metallverarbeitung
virusVirusNeutrum / MaskulinumSubstantiv07.02.01.06.00.00 / 05.09.00.00.00.00Mikrobiologie / Informatik
UNOUNO- / FemininumSubstantiv08.07.00.00.00.00Internationale Organisationen

Anlage 1 benennungsorientiert Englisch = lexikographisch

benennung_enbenennung_degenuswortartfachgebietsnummerfachgebiet
screw, boltSchraubeFemininumSubstantiv04.04.01.00.00.00Metallverarbeitung
screwschraubenVerb 04.16.00.00.00.00Fertigungstechnik
virusVirusNeutrum / MaskulinumSubstantiv07.02.01.06.00.00Mikrobiologie
virusVirusMaskulinumSubstantiv05.09.00.00.00.00Informatik
UNOUNO- / FemininumSubstantiv08.07.00.00.00.00Internationale Organisationen

Anlage 2 begriffsorientiert / terminografisch

  • aber: Letztere trotzdem weder abfragbar noch wartbar
  • wer bolt sucht, muss screw eingeben
  • Redundanzen (z. B. „Substantiv“) – Gefahr v. Anomalien
  • Herstellung einer wartbaren und integren Anlage: klar werden über semantische Beziehungen
  • für die Beschreibung einer solchen Anlage existiert ein Modell, das mit drei „Informationsarten“ auskommt
  • Informationsobjekte (z. B. Benennung, Kunde, Wortart) („Entitätstypen“) der Terminus ist die Entity, die Datenkategorie Terminus ist der Entitätstyp = Entitäts-Klasse (sind Synonyme)
  • deren Eigenschaften („Attribute“)
  • Beziehungen zwischen Ihnen
  • Entity-Relationship-Modell

Semantische Datenmodellierung

ER-Diagramm in Chen-Notation

Vorschlag eines ER-Modells für vorstehenden Datenbestand

  • Entitätstypen haben Rechtecke
  • Beziehungen haben Rauten; in der Raute steht der Name der Beziehung, z. B. „hat“ oder „arbeitet in“
  • Attribute haben ein Oval; die Grenze zwischen Attribut und Entity ist durchaus diskussionswürdig, es gibt da keine spanische Wand; eines ist jedoch deutlich: Attribute haben keine weiteren Eigenschaften, sind also Terminalknoten
  • mehrwertige (multivalente) Attribute (Genera, Wortarten, hier im Gegensatz zum Alter oder Geschlecht eines Menschen) haben ein Doppeloval. Multivalent heißt, dass zwischen ihm und der Entity eine 1:n-Beziehung (nicht 1:1-Beziehung) vorliegt
  • zwischen Entitäten und Attributen werden keine Kardinalitäten angegeben
  • unterstrichen (sowohl im ERM-Diagramm als auch im relationalen Modell / in den Tabellen) sind die Primärschlüssel
  • gestrichelt unterstrichen sind die Fremdschlüssel

Kardinalität: Beziehungstyp, der besagt, wie viele Datensätze (Entitäten) einer Relation (eines Entitätstyps) mit genau einem Datensatz einer anderen Relation in Beziehung stehen können. Es existieren drei Kardinalitäten:
1:1 Student-Matrikelnummer
, 1:n Betreuer-Abschlussarbeit
und n:m Student-Dozent


  • Anlage, wie sie Multiterm benutzt
definitionbenennungenfachgebietsnummerfachgebiet
Metallstift mit Gewinde
lemmasprachewortartgenus
screwenSubstantiv
boltenSubstantiv
SchraubedeSubstantivFemininum
04.04.01.00.00.00Metallverarbeitung
eine Schraube in etwas reinmachen
lemmasprachewortartgenus
screwenVerb
schraubendeVerb
04.16.00.00.00.00Fertigungstechnik
Krankheitserreger ohne eigenen Stoffwechsel
lemmasprachewortartgenus
virusenSubstantiv
VirusdeSubstantivNeutrum
VirusdeSubstantivMaskulinum
07.02.01.06.00.00Mikrobiologie
Schadprogramm
lemmasprachewortartgenus
virusenSubstantiv
VirusdeSubstantivMaskulinum
05.09.00.00.00.00Informatik
internationale Organisation, die völkerrechtliche Regeln festlegt
lemmasprachewortartgenus
UNOenSubstantiv
UNOdeSubstantivFemininum
08.07.00.00.00.00Internationale Organisationen

Onomasiologische geschachtelte Anlage

  • Annahmen
  • nur deutsche Termini können ein Genus haben
  • die Wortart hängt am Terminus (in anderer Sprache kann adv z. B. eine Nominalphrase sein –gütlich – путем переговоров)
  • Anlage wie in Multiterm: erlaubt variable Breiten von Attributen (lemma en 1, lemma en 2 ...
  • verschachtelte Mengen (nested sets) gibt es, aber eher Thema für Mathematiker
  • für uns ist die Anlage nicht elementar – kein atomarer Wertebereich [Definition folgt in 1NF]
  • „screw, bolt“ = Wiederholungsgruppe
  • wir wollten ja eben nicht „screw“ eingeben müssen, um „bolt“ zu finden

  • Wort „Relation“ von oben aufgreifen: im Folgenden Basiswissen aus der relationalen Datenmodellierung

Relationales Datenschema

Grundbegriffe

Tupel: Zeile einer Datenbank = Datensatz ≙ Begriff Bezeichnung im ERM: Entität.

Attribut: Spalte einer Datenbank. Synonym: Feld.

  • Attribute haben einen Wertebereich (Domäne)  INT  Femininum;Maskulinum;Neutrum

Primärschlüssel: für die eindeutige Identifikation eines Tupels verwendete minimale Attributmenge einer Relation. Ein Primärschlüssel kann ein Attribut sein oder eine Kombination aus Attributen (dann zusammengesetzter Schlüssel). Beispiel Kundendatenbank: Name oder Geburtsdatum vielleicht nicht eindeutig, aber beides zusammen dann doch Minimal bedeutet, dass ich nicht nach zusammengesetzten Primärschlüsseln suche, wenn ein einfacher schon gefunden ist.

Relation: Tabelle einer Datenbank mit eindeutigen Tupeln, d. h. es existiert ein Primärschlüssel. Bezeichnung im ERM: Entitätstyp.

  • unser Ziel: Datenbank in eine abfrag- und wartbare Form bringen
  • Systematik: Normalisierung

Normalisierung ist die Herstellung von Redundanzfreiheit eines Datenbestands durch dessen Zerschlagung in Relationen. Ziele der Normalisierung sind u. a. Datenintegrität sicherstellen, Abfragbarkeit herstellen, Personal- und Hardwareaufwand senken, Strom sparen.

  • „Datenintegrität“: Vermeidung von Anomalien

Anomalie: Fehlverhalten der Datenbank infolge einer Verletzung des Single-Source-Prinzips
Konsistenzverletzungen durch Änderung nur von Teilen redundanter Daten. Datenbank widerspricht sich selbst

  • „Abfragbarkeit herstellen“:
  • obiges screw-bolt-Problem
  • Effizienz auch bei größeren Datenmengen
  • Stufen der Normalisierung: Normalformen
  • hier: bis 3NF
  • insgesamt 5 plus Boyce-Codd-Normalform (BCNF) zwischen 3NF und 4NF

Erste Normalform

Eine Relation befindet sich in der ersten Normalform, wenn alle Attribute einen atomaren Wertebereich haben.

atomarer Wertebereich: Nichtteilbarkeit eines Attributs
= Freiheit von Wiederholungsgruppen.
„Schlagwörter“ / „head words“ (s. Modell „TWB“ bei Felix Mayer) gehören der Vergangenheit an
dass wir nach screw suchen müssen, um bolt zu finden
Letzteres wären z. B. kommaseparierte Synonyme im Term-Feld

Ziel: Abfragbarkeit (z. B. filtern)

Das Substantiv Atomizität / Atomarität ist in der Datenbanklehre anders belegt und bedeutet, dass eine Transaktion ganz oder gar nicht ausgeführt wird.

s. o.: Das Wort Relation impliziert, dass ein Primärschlüssel vorhanden sein muss, dh. jedes Tupel ist eindeutig, zur Not ist der Primärschlüssel eben alle Attribute. In unserem Fall ist das Attribut „definition“ schon ein Schlüsselkandidat

  • Überführung in höhere Normalform:
  • Auslagern einzelner Entities samt deren Attributen in separate Relationen nach bestimmten Regeln
  • Das determinierende Nichtschlüsselattribut wird in der neuen Relation dann Primärschlüssel.
  • In der "alten Tabelle" verweist an Stelle der Entity ein Fremdschlüssel:
  • den Anfang macht das Attribut Benennungen – hat keinen atomaren Wertebereich – also herauslösen; es bleibt übrig:
definitionfachgebietsnummerfachgebiet
Metallstift mit Gewinde04.04.01.00.00.00Metallverarbeitung
eine Schraube in etwas reinmachen04.16.00.00.00.00Fertigungstechnik
Krankheitserreger ohne eigenen Stoffwechsel07.02.01.06.00.00Mikrobiologie
Schadprogramm05.09.00.00.00.00Informatik
internationale Organisation, die völkerrechtliche Regeln festlegt08.07.00.00.00.00Internationale Organisationen

Relation „begriffe“, 1NF Relation „benennungen“ (was oben die Verschachtelung verursacht) wurde herausgelöst

  • Problem: Attribut „definition“ ist natürlicher Schlüssel
  • Schlüssel dürfen nicht verändert werden – sonst Zerstörung von Beziehungen [wie bei der Post: wenn jemand seine Adresse wechselt, finden wir ihn nicht mehr]

künstlicher Schlüssel: (oft numerisches) Attribut, das ausschließlich die Funktion eines Schlüssels hat, keine logische (= semantische, aus menschlicher Vernunft ableitbare) Beziehung zu anderen Attributen aufweist.
Ihre Matrikelnummer weist wohl eine funktionale, nicht aber eine logische Beziehung zu den anderen Attributen Ihres Datensatzes auf, hier etwa Ihrem Namen, Vornamen oder Geburtsdatum.
Synonym: Surrogatschlüssel.
Künstliche Schlüssel dienen damit einer Trennung von Funktion und Logik. Praktischerweise ist ein künstlicher Schlüssel eine Ganzzahl und autoinkrementiert.

  • Künstliche Schlüssel: Wartbarkeitsproblemen vorbeugen
begriffsidentifikatordefinitionfachgebietsnummerfachgebiet
1Metallstift mit Gewinde04.04.01.00.00.00Metallverarbeitung
2eine Schraube in etwas reinmachen04.16.00.00.00.00Fertigungstechnik
3Krankheitserreger ohne eigenen Stoffwechsel07.02.01.06.00.00Mikrobiologie
4Schadprogramm05.09.00.00.00.00Informatik
5internationale Organisation, die völkerrechtliche Regeln festlegt08.07.00.00.00.00Internationale Organisationen

Relation „begriffe“ mit künstlichem Schlüssel, 1NF

Jetzt noch unsere herausgelöste Relation „benennungen“:

lemmasprachewortartgenus
screwenSubstantiv
boltenSubstantiv
SchraubedeSubstantivFemininum
screwenVerb
schraubendeVerb
virusenSubstantiv
VirusdeSubstantivMaskulinum
VirusdeSubstantivNeutrum
virusenSubstantiv
VirusdeSubstantivMaskulinum
UNOdeSubstantivFemininum
UNOenSubstantiv

Oben herausgelöste Relation „benennungen“

Es fehlt Primärschlüssel:

benennungsidentifikatorlemmasprachewortartgenus
1screwenSubstantiv
2boltenSubstantiv
3SchraubedeSubstantivFemininum
4screwenVerb
5schraubendeVerb
6virusenSubstantiv
7VirusdeSubstantivMaskulinum
8VirusdeSubstantivNeutrum
9UNOdeSubstantivFemininum
10UNOenSubstantiv

Wiederholung der Relation „benennungen“ mit künstlichem Schlüssel, 1NF

Es fehlt aber noch Joinspalte zu Begriffe:

benennungsidentifikatorlemmasprachewortartgenusbegriffsidentifikator
1screwenSubstantiv1
2boltenSubstantiv1
3SchraubedeSubstantivFemininum1
4screwenVerb2
5schraubendeVerb2
6virusenSubstantiv3
7VirusdeSubstantivMaskulinum3
8VirusdeSubstantivNeutrum3
9UNOdeSubstantivFemininum5
10UNOenSubstantiv5

Relation „benennungen“, 1NF, mit Joinspalte

Fremdschlüssel: Attribut, das auf einen Primärschlüssel einer anderen oder der eigenen Relation zeigt (seinen Wert von dort bezieht).

  • man muss nur gucken, wo wir mehrmals denselben begriffsidentifikator haben: dort haben wir in atomare Wertebereiche zerschlagen

Zweite Normalform

  1. Die erste Normalform liegt vor.
  2. Jedes Nichtschlüsselattribut ist von jedem Schlüsselkandidaten voll funktional abhängig.
  • Erst in diesem Schritt werden Redundanzen beseitigt.
  • Ziel der 2NF: Anomalien vermeiden

Schlüsselkandidat: Attributmenge, anhand derer sich alle Tupel eindeutig identifizieren lassen (Herstellung von Mengeneigenschaft).

Abhängigkeit, funktionale: Attribut A ist von Attribut B funktional abhängig, wenn zu jedem Wert von A genau ein Wert von B existiert. Wir können sicher von A auf B schließen.

Abhängigkeit, voll funktionale: Jedes Nichtschlüsselattribut ist vom gesamten1 Schlüssel abhängig.

  • Faustregel: Die Attribute einer Relation müssen alle semantisch zusammengehören.  fachgebiet → fachgebietsnummer. Aber nicht fachgebiet → Benennung.
  • Die Frage ist natürlich, was man als Redundanzen sehen möchte: auch O2 hat Hundert Müllers sicher hundertmal explizit hinterlegt; hier sieht man die als hundert Entitäten. Damit sind Hundert ausdrückliche Müllers nicht redundant. Mit dieser Sichtweise verhindert man, dass die Datenbankanwendung aufgebläht wird.

Kandidaten abklappern und auf Schlüsselkandidateneigenschaft überprüfen. Man liest von links nach rechts: Bestimmt „definition“ „en“? Bestimmt „definition-en“ „de“ usw.

  • Betonung hier auf „gesamt“ – nur interessant, wenn der Primärschlüssel sich aus mehreren Attributen zusammensetzt, denn eine funktionale Abhängigkeit wird in 1NF implizit schon vorausgesetzt (durch das Wort „Relation“ → es liegt Mengeneigenschaft vor) – eine Tabelle mit zwei komplett identischen Tupeln wäre keine Relation
  • aus Def. folgt, dass Relationen in der 1NF, deren Schlüsselkandidat(en) nicht zusammengesetzt sind, automatisch die 2NF erfüllen
  • Relation „begriffe“ hat einen nichtzusammengesetzten Schlüssel, hier muss nicht geprüft werden.
begriffsidentifikatordefinitionfachgebietsnummerfachgebiet
1Metallstift mit Gewinde04.04.01.00.00.00Metallverarbeitung
2eine Schraube in etwas reinmachen04.16.00.00.00.00Fertigungstechnik
3Krankheitserreger ohne eigenen Stoffwechsel07.02.01.06.00.00Mikrobiologie
4Schadprogramm05.09.00.00.00.00Informatik
5internationale Organisation, die völkerrechtliche Regeln festlegt08.07.00.00.00.00Internationale Organisationen

Wiederholung der Relation „begriffe“ 1NF und automatisch auch 2NF

  • … Relation „benennungen“ hat einen zusammengesetzten Schlüssel, hier muss noch geprüft werden.
benennungsidentifikatorlemmasprachewortartgenusbegriffsidentifikator
1screwenSubstantiv1
2boltenSubstantiv1
3SchraubedeSubstantivFemininum1
4screwenVerb2
5schraubendeVerb2
6virusenSubstantiv3
7VirusdeSubstantivMaskulinum3
8VirusdeSubstantivNeutrum3
9UNOdeSubstantivFemininum5
10UNOenSubstantiv5

Wiederholung der Relation „benennungen“ 1NF und automatisch auch 2NF

  • … da wird nämlich 2NF im Schlüssel 3 + Virus verletzt.
  • der Schlüssel bestimmt nicht den Genus
  • wir entnehmen also einen Entitätstyp, den wir jetzt Benennungen taufen:

↗ ER-Modell muss um „benennungsidentifikator“ erweitert werden

Dritte Normalform

  1. Die zweite Normalform liegt vor.
  2. Kein Nichtschlüsselattribut hängt transitiv von einem Schlüsselkandidaten ab.

Abhängigkeit, transitive: Attribut C ist von Attribut A transitiv abhängig, wenn B von A funktional abhängig ist und C von B.

  • Faustregel: Es darf kein Nichtschlüsselattribut von einem anderen Nichtschlüsselattribut abhängen.
  • noch einfacher: keine Synonymen Spalten wie Fachgebiet und Fachgebietsnummer
  • Solche transitiven Abhängigkeiten werden in der dritten Normalstufe in voll funktionale umgewandelt, indem die betroffenen Entitatstypen in separate Relationen ausgesiedelt werden.
  • implizit: Die 3NF liegt automatisch vor, wenn nur ein Nichtschlüsselattribut existiert. (Einzelkind kann sich nicht mit seinen Geschwistern streiten.)
begriffsidentifikatordefinitionfachgebietsnummerfachgebiet
1Metallstift mit Gewinde04.04.01.00.00.00Metallverarbeitung
2eine Schraube in etwas reinmachen04.16.00.00.00.00Fertigungstechnik
3Krankheitserreger ohne eigenen Stoffwechsel07.02.01.06.00.00Mikrobiologie
4Schadprogramm05.09.00.00.00.00Informatik
5internationale Organisation, die völkerrechtliche Regeln festlegt08.07.00.00.00.00Internationale Organisationen

Wiederholung der Relation „begriffe“ (2NF)

  • verletzt 3NF
  • „fachgebiet“ hängt transitiv von „fachgebietsnummer“ ab (oder umgekehrt, je nachdem, was man als das determinierende Attribut empfindet)
  • Herauslösen der Entity Fachgebiet
fachgebietsnummerfachgebiet
04.04.01.00.00.00Metallverarbeitung
04.16.00.00.00.00Fertigungstechnik
07.02.01.06.00.00Mikrobiologie
05.09.00.00.00.00Informatik
08.07.00.00.00.00Internationale Organisationen

Ausgelagerte Relation „fachgebiete“

begriffsidentifikatordefinition
1Metallstift mit Gewinde
2eine Schraube in etwas reinmachen
3Krankheitserreger ohne eigenen Stoffwechsel
4Schadprogramm
5internationale Organisation, die völkerrechtliche Regeln festlegt

was von der Relation „begriffe“, 3NF nach dem Herauslösen der Entity Fachgebiet übrigbleibt

nun wieder die Beziehung herstellen

begriffsidentifikatorfachgebietsnummer
104.04.01.00.00.00
204.16.00.00.00.00
307.02.01.06.00.00
405.09.00.00.00.00
508.07.00.00.00.00

Verknüpfungstabelle „begriff_hat_fachgebiet“

Verknüpfungstabelle: Tabelle, die semantische Beziehungen zwischen zwei Relationen herstellt. In einer Verknüpfungstabelle entsteht der Primärschlüssel durch Zusammensetzung zweier Fremdschlüssel. ein Fremdschlüssel ist zu erkennen daran, dass er unterstrichelt ist Eine Verknüpfungstabelle hat i. d. R. keinen echten Schlüssel, besteht also ausschließlich aus dem Primärschlüssel. Synonym: Auflösungstabelle.

hier liegt schon 3NF vor Wiederholung der Relation „benennungen“ (2NF und 3NF)

Abfrageheuristik

  • Begriffsorientierung hin oder her – natürlich sind unsere Suchabfragen Benennungen / können keine Bilder malen
Abfrageheuristik

Mögliche Abfrageheuristik

SELECT lemma, sprache, wortart, genus, definition, fachgebiet
FROM benennungen NATURAL JOIN begriffe NATURAL JOIN begriff_hat_benennung NATURAL JOIN fachgebiete NATURAL JOIN begriff_hat_fachgebiet
WHERE begriffe.begriffsidentifikator IN (
SELECT begriffe.begriffsidentifikator
FROM benennungen NATURAL JOIN begriffe NATURAL JOIN begriff_hat_benennung
WHERE lemma LIKE '%Virus%'
ORDER BY fachgebiete.fachgebiet
)
  • die innere Abfrage sucht den Begriff zur eingegebenen Benennung
  • die äußere Abfrage sucht Benennungen zum ermittelten Begriff
 Übungsdatenbank in phpMyAdmin ausprobieren.
Ansicht in phpMyAdmin

Abfrage für „Virus“ in phpMyAdmin

Dienste

↗ TIPPS (Terminology Information Policy, Portal and Service)
↗ Deutscher Terminologie-Tag e. V. (DTT)
↗ DIN-TERMinologieportal
↗ Interactive Terminology for Europe (IATE)
↗ Microsoft Language Portal

Literatur

Arntz, Reiner et al. (2014): Einführung in die Terminologiearbeit. Hildesheim: Georg Olms

BDÜ (Hrsg.)(2005): Terminologie und Lexikographie. Bern: BDÜ-Fachverlag

BDÜ (Hrsg.)(2016): Fachgebietsregister (12.04.2021)

Budin, Gerhard / Felber, Helmut (1989): Terminologie in Theorie und Praxis. Tübingen: Narr

DIN 2330:2013-07: „Begriffe und Benennungen – Allgemeine Grundsätze

DIN 2331:2019-12: „Begriffssysteme und ihre Darstellung

DIN 2336:2004-06: „Darstellung von Einträgen in Fachwörterbüchern und Terminologie-Datenbanken

DIN 2340:2009-04 : „Kurzformen für Benennungen und Namen

DIN 2342:2011-08: „Begriffe der Terminologielehre  Inhaltsverzeichnis

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ISO 1087-1:2000: „Terminology work — Vocabulary — Part 1: Theory and application

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ISO 10241-1:2011-04: „ Terminologische Einträge in Normen - Teil 1: Allgemeine Anforderungen und Beispiele für ihre Darstellung

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ISO 12616:2002: „Translation-oriented terminography

ISO 12620:2009: „Terminology and other language and content resources – Specification of data categories and management of a Data Category Registry for language resources

ISO 15188:2001: „Project management guidelines for terminology standardization

ISO 22128:2008: „Terminology products and services — Overview and guidance

ISO 26162:2012: „Systems to manage terminology, knowledge and content – Design, implementation and maintenance of terminology management systems

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1und nicht nur von einem dessen Teile