Dr. Alexander Behrens (IALT) – Unterrichtsserver


04-005-1012-R.SE01 Seminar "Terminographie" 6. Semester

Anforderungen an die terminographische Belegarbeit (nur 04-MKD-2003-R)

  • Mit der Arbeit sollen Sie zeigen, dass Sie terminographisch arbeiten können. Mit der Findung des zielsprachlichen Terminus sollte also ein heuristischer Prozess stattfinden. Dies ist nur möglich, ...
  • wenn die Fach- bzw. Internetgemeinschaft die Arbeit nicht bereits für Sie erledigt hat (etwa, weil der Terminus in mehrsprachigen Nachschlagewerken zu finden ist).
  • wenn der Terminus nicht durch Komposition aus zwei hinlänglich bekannten oder aus zwei gemeinsprachlichen Konstituenten entstanden ist (Schnellzug); Gleiches gilt für Konstruktionen aus Adjektiv und Substantiv (gesellschaftsimmanente Fehlernährung)
  • wenn der (quell- und zielsprachliche) Terminus kein Internationalismus ist.

Der Terminus muss also ausreichend problembehaftet sein. Dass dies der Fall ist, erkennen Sie daran, dass Ihre semasiologische Arbeit auch indeterminierte Rechercheverfahren einschließt (über Bild, über Kontext, über Hyperonym etc.)

Die Belegarbeit ...

  • muss mindestens 12 Termini umfassen.
  • wird digital eingereicht.
  • enthält einen Projektbericht (nur MKD).
  • muss eine kleinschrittige Beschreibung des Recherchewegs enthalten (nur TLG).

Fiktives Setting

  • übersetzerischer Alltag – Begriffs- und Benennungsrecherche

Die Rechercherichtung ist ...

  • ru → de oder de → ru; wenn Sie sich nicht entscheiden können, wählen Sie die (gefühlte) Muttersprache als Zielsprache.

Der Terminus ...

  • kann ein Substantiv, ein Verb, ein Adjektiv oder ein Adverb sein.
  • besteht aus einem Wort oder aus einer Wortverbindung (etwa Genitiv- oder Präpositionalkonstruktion).
  • gehört einer Fachsprache an.

Checkliste für die Benennungsrecherche

  • Semantik der Wortbestandteile muss plausibel sein.
  • Ein Schiebekran heißt wahrscheinlich so, weil irgendwo eine Schiebebewegung stattfindet.
  • Definitionen von AS und ZS korrelieren miteinander.
  • Kontextbeispiele von AS und ZS korrelieren miteinander.
  • Textsorten der Kontextbeispiele sind korrelierbar.
  • Forumsbeitrag und technische Dokumentation können aber durchaus in Beziehung gebracht werden – Textsorten müssen nicht identisch sein.
  • statistischer Vergleich (Distribution):
  • Bei Google Anführungsvstriche nicht vergessen, auch bei einzelnen Wörtern.
  • Farms ausschalten – Minus vor ein Schlüsselwort.
  • Ein Lemma steht i. d. R. im Nominativ Singular / in der 1. Pers. Singular.
  • Für die Groß- und Kleinschreibung gelten die allgemeinen Orthographieregeln der jeweiligen Sprache. Die Wikipedia, die jedes Lemma mit einem Großbuchstaben beginnt, ist hier kein gutes Beispiel.

Hinweise zur Datenqualität

  • Sie arbeiten deskriptiv. Es ist unschädlich, wenn Sie einen Terminus oder einen Begriff nicht belegen können.
  • eigene Definition erarbeiten
  • eigenen Terminus vorschlagen / prägen; Term-Quelle sind dann Sie ("eigener Vorschlag" o. ä.)
  • Anmerkung: "keine Kontextbelege vorhanden"
  • Textsorte und Register der Quellen (Ausgangs- und Zielsprache) müssen korrelieren
  • Quelle muss glaubwürdig sein

Elementarität (Atomarität)

Inhalte werden elementar (atomar, atomisch) abgelegt: pro Datenfeld ein Element.

  • Richtig: ein Datenfeld einer bestimmten Kategorie (etwa Kontextbeleg) kann mehrmals angelegt werden. Sollen drei Kontextbelege für einen Terminus hinterlegt werden, so werden drei Felder der Datenkategorie Kontextbeleg angelegt.
  • Falsch: es wird nur ein Datenfeld für Kontextbelege angelegt. Alle drei Kontextbelege werden in einem Datenfeld gesammelt ("Wiederholungsgruppen").

Granularität

Eine Datenkategorie bildet genau eine Eigenschaft (und keine Eigenschaftenfamilie) ab: pro Eigenschaft eine Datenkategorie.

  • Richtig: eine Spalte für Genus, eine Spalte für Numerus
  • Falsch: eine Spalte für Grammatik, die für Angaben zu Genus und Numerus genutzt wird

Benennungsautonomie

Alle Lemmata sind gleichberechtigt. Aus semiotischer (und technischer) Sicht gibt es keinen Unterschied zwischen Vorzugsbenennungen, Synonymen, Abkürzungen etc.

  • Richtig: Es gibt nur eine Datenkategorie Term, die für alle Termini (egal, ob Vorzugsbenennung oder Synonym) verwendet wird.
  • Falsch: Es existiert ein Datenfeld Synonym als Eintragsinformation (DIN-2342, Punkt 8.15).

Definitionen

Eine Definition ist in der Übersetzungspraxis alles, was uns direkt oder indirekt hilft, einen Terminus semasiologisch zu erkunden. Das können ausdrückliche ("klassische") Definitionen sein (DIN-2342, Punkt 4.8.1), aber auch implizite Definitionen (= Kontextbelege) ‣ Bei Liquorabflussstörungen muss unverzüglich ein Shunt verlegt werden. → ein Shunt ist (hier) also etwas Menschengemachtes und stellt eine Verbindung her. Ich weiß aber immer noch nicht, ob es ein Konkretum (Kunststoffschlauch?) oder Abstraktum (Vorliegen einer wie auch immer gearteten Verbindung?) ist. Oft müssen wir uns unseren Begriff durch Vergleichen mehrerer impliziter Definitionen erarbeiten, d. h. mehrere Kontextbelege können implizit zusammen eine Definition ergeben. Wichtig ist aber, dass die Definition bzw. der Kontext eloquent sind. Ein Kontextbeleg wie Dies gilt insbesondere für Wareneingangsbelegpositionen. ist nicht eloquent und bringt uns bei der semasiologischen Heuristik nicht voran.

Datenvollständigkeit

Sie haften nicht, wenn ein Terminus in der Zielsprache oder eine Definition nicht zugänglich oder auffindbar sind. In diesem Fall muss in dem betreffenden Datenfeld aber ein entsprechender Verweis gemacht werden, etwa "nicht ermittelbar". Lassen Sie in Ihrer Belegarbeit bitte keine obligatorischen Datenfelder leer.

Pflichtfelder der Termbank

  • Term
  • Quelle (bei KD kann dies auch die Dolmetschsituation sein)
  • Definition
  • Quelle
  • Kontextbeleg
  • Quelle
  • Textsorte
  • Textsorte
  • Anmerkungen

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